Auszug von der Stiftung Landschaft und Kies Uttigen

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Lage

Links der Strasse (hangseitig) Kirchdorf-Thalgut.

 

 

Alter

Kiesgewinnung seit 1920.

 

 

  

Beschäftigte

 30 bis 35 Personen, davon 3 bis 4 in der Kiesgrube.

 

Besonderheiten

Geologisches Objekt von internationaler Bedeutung. Nirgendwo im nördlichen Alpenvorland zwischen Lyon und Wien ist eine gleichermassen vollständig aufgeschlossene eiszeitliche Schichtreihe zu finden wie hier.

 

Abbau

Terrassenweise mittels Hydraulikbagger.

 

Aufbereitung und Verwendung

Der "an der Wand" abgebaute Kies wird entweder direkt als "Wandkies" für allgemeine Fundationen verkauft oder vorher mit gebrochenem Material gemischt, das aus zugeführtem Felsausbruch und Bollensteinen auf dem Platze hergestellt wird. Mit der Beigabe von gebrochenem Material wird die Kornzusammensetzung den Bedürfnissen angepasst. Die gebrochenen, scharfkantigen Körner geben dem Wandkies (dieser besteht ja aus natürlich gerundeten Körnern) zusätzlich aber auch eine bessere Stabilität. Dieser gemischte Wandkies eignet sich deshalb besonders für Fundationen im Strassenbau.

 

Geologie

In der Thalgutgrube ist eine umfassende eiszeitliche Schichtreihe aufgeschlossen:
Die mächtigste Schicht, es ist zugleich die Abbauschicht in der Kiesgrube, ist ein sandiger Kies, der sog. Kirchdorf-Deltaschotter. Diese Einheit ist eine mächtige Deltaschüttung der ehemaligen Gürbe in einen früheren, tiefen Aaretalsee. Das Material ist praktisch ausschliesslich umgelagerte Molasse. Unter der Schicht befinden sich Ablagerungen von drei weiteren Seen, die aber ganz anders ausgesehen haben: in einem Eisrandsee eines zerfallenden Gletschers bildeten sich die Warven im Thalgut. Die obere Schlammmoräne wurde in einem See direkt unter einem Gletscher abgelagert. Vorher schüttete ein mächtiger Gletscherbach - vom gleichen Gletscher ausgehend - die Gerzensee Blockmoräne in den gleichen See. - Über den beige-grauen Kirchdorf Deltaschottern befinden sich die 50 bis 100 cm mächtigen Thalgut Seetone, die fossile Holzstücke (sog. "Laden"), Muschel- und Schneckenschalen enthalten. Diese Schicht stammt aus der letzten Zwischeneiszeit vor 115'000 bis 125'000 Jahren vor heute, mit einem Klima, das im Jahresdurchschnitt mindestens 2° C wärmer war als heute.
Das Thalgutprofil ist für die Eiszeitengeschichte so wichtig, dass es mit einer Bohrung bis auf den Molassefels in 147 m Tiefe verlängert worden ist. Dabei sind Ablagerungen (Jaberg Seetone, von einer alten Warmzeit gefunden worden, deren Wälder vorwiegend aus Buche und der kaukasischen Flügelnuss (bei uns jetzt ausgestorben) bestanden. - Heute sind in der Grube nur noch die Blockmoräne, Deltaschotter und Seetone sowie die jüngeren oberen Münsingen-Schotter mit der Grundmoräne sichtbar.

 

 

Lebensräume

Bei den Lebensräumen treten sämtliche Entwicklungsstufen auf, von den vegetationslosen sandig- kiesigen Ödflächen bis hin zur beginnenden Waldbildung. Markanteste Biotope sind auf der einen Seite die wüstenhaften Pisten, Wende- und Lagerplätze und auf der andern Seite die Aufschüttungen mit ihren ausgedehnten Wildkrautfluren. Eine lange, artenreiche Hecke bildet einen Verbindungskorridor vom vis-à -vis der Strasse gelegenen Wald zur Kiesgrube. Sie führt zu einem ca. 20 m2 grossen Tümpel, der von einem Schilfbestand eingesäumt wird. Weitere kleine Tümpel und spontane Wasserstellen kommen als Nassbiotope hinzu.

 

Pflanzen

Auf den Aufschüttungen bildet der Huflattich das dominierende Element im Frühling. Im Sommer ragen Königskerzen und Nachtkerzen aus der üppigen Farbenpracht.

 

Tiere

Zu den langjährigen Gästen unter den Tieren gehört ein Kolkrabenpaar, das in der Abbauwand nistet. Hin und wieder benutzen auch Wanderfalken diesen Brutplatz. Abwechselnd, in einem ein- oder zweijähriges Turnus, hält sich eine Hasengruppe oder eine Fuchsfamilie in der Grube auf. Verschiedene Froscharten machen sich im Frühling mit ihrem Gequake in den Tümpeln bemerkbar, u.a. die selten gewordene Unke. Die Unkrautfluren beherbergen eine Vielzahl von Schmetterlingen und weiteren Insektenarten sowie Blindschleichen und Eidechsen. Im Herbst bilden die Samenstände verschiedener Kräuter eine willkommene Zwischenverpflegung für Zugvögel und Wintergäste.

Stand 1998